Einsatz auf dem Bichl-Hof
Die Zeit in Bruck am Ziller bedeutete für uns, mal wieder geregelter Arbeit nachzugehen. Wir wollten auf dem Erbhof „Bichl“ Familie Hechenblaickner bei der täglichen Arbeit unterstützen.
Bruck am Ziller
Erbhof „Bichl“, Bruckerberg
Nach der nervenzehrenden Anreise zum Bichl-Hof konnten wir Felía endlich auf dem Parkplatz vor dem Bauernhof abstellen.
Wir waren noch nicht ganz ausgestiegen, da wurden wir auch schon von Regina und ihrer Schwiegertochter Birgit herzlichst
begrüßt. Mit Töchterchen Katharina ging es sogleich auf unser Zimmer, wo wir uns für die nächsten Tage
einrichten konnten.
Da man erst am Nachmittag mit uns gerechnet hatte, konnten wir uns noch etwas Zeit nehmen und einen kleinen Spaziergang
unternehmen. Mit einem wunderschönen Blick über das Zillertal ging es ein Stück den Buckerberg entlang. Hinter
einer Kehre blieben wir abrupt stehen. Ein gutes Stück voraus stand mitten auf dem Weg ein Reh und beäugte uns. Selbst
als wir uns vorsichtig näherten, lief es zunächst nicht davon. Was eine schöne Begrüßung.
Wenig später fanden wir die Erklärung für das aus unserer Sicht ungewöhnliche Verhalten. Der Kerschbaumhof
peppelt regelmäßig Rehe auf, sodass diese schließlich an Menschen gewöhnt sind. Das Reh, welches wir
gesehen hatten, fanden wir nämlich bei einem kleinen Gehege, in welchem sich zwei weitere Rehe befanden. Diese waren zwar
sehr neugierig, aber auch zu vorsichtig, um sich streicheln zu lassen. Dafür ließ es sich eine junge Katze nicht nehmen
und sprang uns sogleich auf den Schoß, um ausgiebig zu kuscheln.
Dann war es aber Zeit, zum Bichl-Hof zurückzukehren. Ab 14 Uhr war vorgesehen, dass wir im Stall mithelfen. Da wir so gar
keine Ahnung von Stallarbeit hatten, musste man uns jeden Schritt zunächst erklären. Aber wir packten unbefangen an und
führten die uns übertragenen Arbeiten aus.
Die nächsten Tage verliefen dann im steten Rhythmus eines Bauernhofes mit Milchvieh. Ab 7 Uhr waren wir im Stall, und Martin
mit seinem Vater waren bereits beim Melken der Kühe. Wir kümmerten uns inzwischen um das Abmisten, bevor es ans
Füttern der Kälber ging. Bewaffnet mit drei Milcheimern musste nun dafür gesorgt werden, dass jedes der drei
Kälber auch seine Portion Milch bekommt. Da merkt man erst, wie viel Kraft schon die kleinen Kälber haben und hat noch
etwas mehr Respekt vor den Ausgewachsenen.
Zwischendurch ging es noch zu einem anderen Hof hinüber, wo wir dem dortigen schon etwas älteren Bauern beim Abmisten
halfen. Mit Schaufel und Schubkarre bewaffnet wurde der Mist hinausgekarrt. Martin verteilte derweil neues Streu und Heu.
So gegen 9 Uhr gab es dann mit der Familie Frühstück. Endlich war mal etwas Zeit, um den Ablauf der nächsten Tage
zu besprechen. Da wir im Dezember auf dem Hof waren, standen ganz andere Arbeiten an als im Sommer. So hatte es in der
Ferienwohnung einen Wasserschaden gegeben, der umfangreiche Bauarbeiten erforderte. Daher kam unsere Hilfe gerade recht.
Am Nachmittag sollten wir die Klebereste des alten Bodenbelags entfernen und im Anschluss den ganzen Staub absaugen.
Außerdem mussten noch einige der schweren Fliesen für den Fliesenleger hinaufgetragen werden.
Am Abend mussten dann die Kühe ein letztes Mal gemolken werden. Währenddessen misteten wir ab. Anschließend
musste das restliche Heu aus den Trögen gekehrt werden, da die Kühe nach dem Melken immer erst Kraftfutter bekommen. In
der Zeit wurde neues Streu aufgeworfen und von uns zwischen und unter den Kühen verteilt. So, jetzt bekamen die Kühe
ihren zweiten Gang serviert. Berge von Heu wurden möglichst gleichmäßig auf die Kühe verteilt. Aber bitte
nicht gleich alles auf einmal, sonst landet viel vom wertvollen Heu im Einstreu. So gegen 19 Uhr hieß es schließlich
Feierabend. Umziehen, duschen und ab zum Abendessen. Der erste Tag war schon aufregend. Was wird uns wohl in den nächsten
Tagen hier erwarten?
Heute sind wir freiwillig schon um 5 Uhr aufgestanden. Das Abschleifen am Boden hatte für reichlich Staub gesorgt, der sich
erst noch setzen musste. Den wollten wir vor dem Eintreffen des Fliesenlegers gerne entfernt haben. Gleich im Anschluss ging es
wieder in den Stall zur Morgenroutine.
Beim Füttern der Kälber fragten wir nach, warum eines separat untergebracht ist. Da erfuhren wir von Martin, dass
dieses, mit Namen Toni, erst am Wochenende (also kurz vor unserer Ankunft) geboren wurde. Es war also erst ein paar Tage alt.
Außerdem musste heute einer der Kälberställe komplett ausgemistet werden. Martin verfrachtete die Kälber in
den zweiten Stall, dann konnten wir mit Mistgabel und Schaufel das festgetrampelte Streu mühsam lösen und auf den
Misthaufen bringen. Dies muss etwa einmal in der Woche gemacht werden. In der Zeit dazwischen werden immer nur die Heureste der
Kühe vom Vortag als Einstreu aufgetragen.
Da inzwischen das Melken beendet war, konnte wieder Heu verteilt werden. Dies übernahm Andrea, da Frank mit Martin wieder
zum Reiterkogel fuhr. Nach deren Rückkehr ging es zum Frühstück. Andrea half anschließend Regina, der Mutter
von Martin, beim Backen der alljährlichen Weihnachtsplätzchen. Frank übernahm dafür das Saugen des Flures im
Erdgeschoss, da hier immer etwas Staub und Dreck vom direkt angeschlossenen Stall hereingetragen wird.
Angesichts unserer unkomplizierten Art, dass wir überall mit anpackten und zu allen Arbeiten bereit waren, fragte Martin
uns, ob wir evtl. 2 oder 3 Tage länger bleiben könnten. Dann könnten wir beim Reinigen der Ferienwohnung nach der
Sanierung mithelfen. Da wir zeitlich flexibel waren, sagten wir bereitwillig zu.
Die Arbeitseinsätze werden über den Verein
Maschinenring „Freiwillig am Bauernhof“ organisiert und verwaltet. Die Helfer sind während ihres Einsatzes
über den Verein haftpflicht- und unfallversichert. Daher muss die Einsatzdauer dort bekannt sein. Also informierten wir
Alina umgehend über die mögliche Verlängerung. Für die Krankenversicherung oder, wie in unserem Fall, eine
Auslandskrankenversicherung ist der Helfer jedoch selbst verantwortlich.
Der Nachmittag und Abend verliefen wieder in der schon erwähnten Stallroutine.
Da wir inzwischen unsere Arbeiten kannten, verliefen die nächsten Tage immer ähnlich: Früh aufstehen, ab 7 Uhr in
den Stall, gegen 9 Uhr gibt es Frühstück, danach wird gemacht, was gerade anfällt. Z.B. ausmisten des
Hühnerstalls, putzen in der Ferienwohnung sowie reinigen der Treppenflure und Gästezimmer im Haupthaus, Plätzchen
backen, Kühe striegeln und vieles mehr. Am Abend noch einmal melken, abmisten und Futter verteilen, bevor gegen 19 Uhr der
Arbeitstag endete.
Viele stellen sich Bauernhof-Romantik wohl anders vor. Aber das Milchvieh kennt kein Wochenende und keine Feiertage, so ist man
hier 365 Tage im Jahr meist 10 bis 11 Stunden am Tag am Schaffen. Da wundert man sich schon, dass man überall die Forderung
nach einer 4-Tage-Woche hört und eine Reduzierung auf 35 und weniger Stunden will, bei gleicher Bezahlung. Davon können
Bauern und Landwirte nur träumen, aber dennoch scheint ihnen die Arbeit Spaß zu machen.
Neben der für uns ungewohnten und daher anstrengenden Arbeit wurden wir aber auch bestens versorgt. Jeden Mittag wurde
lecker gekocht und dann gab es deftiges Schweineragout in Rotweinsauce, Tiroler Krapfen mit der typischen Füllung aus
Graukäse und Kartoffelstampf oder Pfannkuchen (süß und herzhaft) und Kaiserschmarrn und viele weitere Leckereien.
Zum Abend gab es meist selbstgebackenes Brot mit Tiroler Käse, regionalem Schinken und Wurst. Und zum Frühstück
gab es immer Eier aus eigener „Produktion“.
Neben all der Routine gab es aber auch Abweichungen und Highlights.
So sollten an einem Tag die Legehühner ausgemistet und alles gereinigt werden. Okay, das Rauslassen war uns klar, aber wie
kommen die Hühner wieder in den Stall? Egal, die Familie wird schon wissen, was sie tut. Kaum war der Stall offen, flitzten
die Hühner und der Hahn hinaus und fingen an, den Misthaufen nach Essbarem zu durchsuchen. Der Hahn hatte währendessen
jedes bekannte Klischee erfüllt. Er stand ganz oben auf dem Misthaufen und krähte aus vollem Hals. Es war eine wahre
Freude, auch wenn es manchmal in den Ohren klingelte. Kaum waren wir mit dem Putzen fertig, konnten es die Hühner gar nicht
erwarten, wieder hineinzukommen und so waren nach wenigen Minuten wieder alle sicher im Stall. Ah, so funktioniert das also!
Am Morgen des 12.12.2025 wurden wir ganz aufgeregt in den Kuhstall geschickt. In der Nacht ist ein weiteres Kälbchen
geboren worden. Die Geburt war wohl von einigen Komplikationen begleitet, sodass zunächst unklar war, ob das Kalb
durchkommen würde. Frank übernahm die Aufgabe, das Kälbchen zu füttern. Dies erwies sich als schwieriger als
gedacht. Am Ende half nur die etwas rabiat wirkende Methode von Martin. Halb auf dem Kalb kniend musste ihm der Nuckel des
Milcheimers ins Maul geschoben und der Saugreflex ausgelöst werden. Dies funktionierte anfänglich mehr schlecht als
recht. Über die Tage lernte es aber und dann ging es auch viel einfacher. Außerdem hatte es durch die schwierige
Geburt eine Fehlstellung der Beine, was ihm das Aufstehen deutlich erschwerte. Bei einem der Versuche rutschte es mit den
Hinterbeinchen derart weg, dass Andrea sogleich an Bambi auf dem Eis denken musste. So hatte es seinen Beinamen weg. Was uns auch
an Bambi faszinierte war, dass es deutlich interessierter und aufgeweckter wirkte als andere Kälber. Teils reagierte es
sogar auf den Namen und schaute uns immer direkt an. Die anderen Kälber hingegen schauten immer nur suchend nach Futter bzw.
dem Milcheimer und wollten immer gleich an uns herumnuckeln.
In der Nacht vom 13. auf den 14.12.2025 konnten wir von unserem Balkon aus in der klaren Luft über dem Bruckerberg
tatsächlich einige Sternschnuppen der Geminiden sehen. Was ein Naturschauspiel.
Am Sonntag wurden wir von Martin schließlich gebeten, noch eine ganze Woche ranzuhängen. Da uns die Arbeit Spaß
machte, sagten wir direkt zu und informierten den Verein über die Verlängerung.
Am Abend des 3. Advents wurden wir plötzlich von der Familie, bestehend aus Martin und seiner Frau Birgit, dessen Eltern
Regina und Peter sowie den Kindern Katharina und Mathias, überrascht. Alle kamen zusammen, um gemeinsam die dritte Kerze
anzuzünden, ein Gebet zu sprechen und die Kinder trugen mehrere Lieder vor. Da kam trotz frühlingshafter Temperaturen
ein wenig Weihnachtsstimmung auf.
Vor allem am Wochenende, aber auch je nach Lust und Laune unter der Woche, tobten die 7-jährigen Zwillinge sich im Stall aus
und halfen hier und da mit. Mathias kam mit seiner kleinen Schubkarre und wollte diese mit Mist gefüllt bekommen, um sie auf
den Misthaufen zu bringen. Katharina striegelte das Pony Lissy und mistete es aus. Dafür durfte Mathias auch mal den Cowboy
raushängen lassen. Dann konnte er die Kälber in den Hof rauslassen, das Halfter umbinden, die Kälber wieder
einfangen und im Stall festmachen. So übte er den Umgang mit den Tieren, auch wenn es manches Mal etwas rabiat aussah. Aber
was will man machen? Wenn später eine ausgewachsene Kuh um die 700 kg Medizin benötigt, dann wird sie diese sicher
nicht freiwillig nehmen. Da sollte man schon wissen was man tut. Auch wir hatten es am eigenen Leib erfahren können, wie
viel Kraft schon Kälber haben. Zwei der etwas größeren wurden nicht mehr über den Nuckel gefüttert,
sondern direkt aus dem Eimer. Diesen musste man mit aller Kraft festhalten, da die Tiere ihn sonst umgeworfen hätten.
Außerdem wurden wir währenddessen wie Konkurrenten abgedrängt und mussten kräftig gegenhalten. Wie ist es
dann erst mit einer ausgewachsenen Kuh oder gar einem Stier?
Eigentlich hat man bei einem solchen Einsatz den Sonntag frei. So war es zunächst auch für uns geplant. Da jedoch am
Wochenende kein Handwerker tätig ist, bot es sich an, die Ferienwohnung vom schlimmsten Dreck zu befreien. Daher fragte
Martin uns, ob wir am Montag „Sonntag machen“ könnten? Uns war es egal und so ging es wiedermal ans Putzen.
Am Montag halfen wir dann früh noch im Stall. Nach dem Frühstück begann dann unser freier Tag. Wobei frei relativ
ist. Ja, wir halfen nicht im Stall oder der Ferienwohnung, dafür musste aber dringend wieder ein Bürotag her. So
setzten wir uns bis zur Mittagszeit an den PC und stellten endlich den vorherigen Blogbeitrag fertig. Erst am Nachmittag nahmen
wir uns die Zeit, eine Runde durch die Umgebung zu drehen. Martin hatte uns einen netten Rundweg erklärt, der uns vom
Zillertal aus über den Kerschbaumer Sattel ins Alpbachtal und dann über den Reiterkogel zurückführte.
Unterwegs wollten wir erneut bei den Rehen vorbeischauen. Diese waren aber ausgeflogen und durften sich wohl frei in der Natur
bewegen. Also setzten wir unsere Wanderung fort und unternahmen noch einen Abstecher zum Fürstenhof. Der dortige
24/7-Hofladen war aktuell nur mit Getränken bestückt. Während der Saison gibt es aber auch frische Eier,
selbstgebackenes Bauernbrot und verschiedene tiroler Spezialitäten.
Bei der Bergstation der Reiterkogelbahn öffnete sich uns ein toller Blick ins Alpbachtal. Bei üppigem Sonnenschein
folgten wir dem Weg und konnten uns an der Landschaft kaum sattsehen. Schließlich erreichten wir den Abzweig zu einer wohl
recht sehenswerten kleinen Kapelle. Vorbei an zahlreichen gespendeten Tafeln mit Bibelsprüchen zu Jesus ging es hinauf zum
Gemeindehaus. Gleich dahinter fanden wir dann die kleine Rosenkranzkapelle. Über den Kreuzweg ging es wieder zum Hauptweg
und dann über den Reiterkogel gemütlich zurück zum Bichl-Hof.
Am späten Nachmittag schlüpften wir wieder in unsere Arbeitssachen, schnappten uns die Handschuhe und packten im Stall
kräftig mit an.
Ab Dienstag lief wieder alles in den üblichen Bahnen. Putzen, Stall ausmisten, Kühe versorgen und Kälber
füttern. Neben der Ferienwohnung mussten dieses Mal auch die Gästezimmer und die Flure gesaugt und gewischt werden.
Zudem wollte Regina noch vor Weihnachten alle Küchenkästen gereinigt haben. Hier half Andrea tatkräftig mit.
Dann sollten wir mal den Stall der Zwerghühner putzen. Auch hier hieß es, wir sollten die Stalltür öffnen
und sie ganz raus lassen. Gesagt getan! Doch plötzlich stellten wir fest, die Hühner sind verschwunden. Anders als die
Legehühner hielten sich die Zwerghühner nicht auf dem Misthaufen auf. Die letzten sahen wir durch ein Gatter am anderen
Ende des Hauses verschwinden. Später entdeckten wir welchen auf der anderen Straßenseite beim Ferienhaus. Oh je, was
haben wir da bloß angerichtet? Aber die Ansage war doch eindeutig, oder etwa nicht? Ganz nervös fragten wir bei Regina
nach und wurden beruhigt. Die Hühner kehren wohl bei Einbruch der Dunkelheit von allein zurück. Wir sollten einfach die
Stalltür leicht offen lassen, dann können die Hühner wieder rein. Puh, waren wir aber erleichtert.
Auf dem weichen Boden der Weide und ganz besonders beim Stehen im Stall können die Kühe ihre Hufe nicht wie
erforderlich ablaufen. Daher müssen auch Kühe regelmäßig zur „Pediküre“. Doch wie bringt man
eine Kuh dazu, ihren Huf hinzuhalten? Gar nicht! Anders als bei Pferden kann man das nicht antrainieren, also muss man Kühe
zu ihrem Glück und deren Gesundheit zwingen. Daher muss Spezialgerät ran. Am hinteren Ende eines LKWs ist ein
Käfig montiert, in welchen die Kuh getrieben und eingeschlossen wird. Nun wird sie mit breiten Bändern fixiert und
mittels Hydraulik auf die Seite gelegt. Noch die Beine festbinden, dann kann mit dem Schleifgerät vom Huf das
überschüssige Material abgetragen werden. Frank half mit, die Kühe zu ihrer Beautybehandlung zu treiben,
während Andrea beim Putzen der Ferienwohnung half.
Am Donnerstag dann die nächste Aufregung. Wir waren gerade auf dem Weg zur Morgenroutine, als wir erfuhren, dass das
nächste Kälbchen unterwegs sei. Was, wir konnten wirklich bei der Geburt dabei sein? Ja, tatsächlich! Die
Mutterkuh lag in ihrer Box und die Hufe und die Schnauze des Kälbchens schauten schon heraus. Martin bat uns, ihn zu rufen,
wenn das Köpfchen herausschauen würde. So warteten wir und waren total fasziniert und aufgeregt. Nach ein paar Minuten
kam dann Bewegung in die Geburt. Andrea rief noch schnell nach Martin, dann war es auch schon geschehen. Das Kälbchen
flutschte heraus, so schnell war Martin gar nicht da. Wow, was ein großartiges Erlebnis!
Martin trug das Kalb anschließend nach vorne, sodass die Kuh es ablecken konnte. Nachdem dies geschehen war, musste es
dringend gefüttert werden. Da Frank schon routiniert darin war, übernahm er dies sehr gerne. Erstaunlich einfach konnte
dem Kalb der Schnuller in die Schnauze geschoben werden und auch das Trinken lief instinktiv ab. Mit einigen Pausen war der erste
Eimer Milch geleert und das Kälbchen konnte ausruhen. Wenig später unternahm es die ersten Versuche aufzustehen und
scheiterte natürlich kläglich. Nach der ganzen Anstrengung musste es sich dann gehörig ausruhen. Dies nutzte Bambi
als „großer Bruder“, schützend und wärmend seine Vorderbeine über das Kälbchen zu legen. Oh, wie
süß.
Aufgrund seiner Locken erhielt das Kälbchen später von uns den Spitznamen „Löckchen“.
Am Freitag war dann unser letzter Einsatztag. Schon zuvor gab es wiederholt Bemerkungen, ob wir nicht mal im Sommer oder generell
mal wiederkommen wollten. So merkte Martin an dem Tag an, dass sie ab Morgen wieder alles alleine machen müssten. Ja, wir
haben einen tollen Einblick in das arbeitsintensive Leben als Bauer bekommen. Auch wenn die Arbeit anstrengend war und wir jeden
Tag erschöpft aber glücklich ins Bett gefallen sind, so hatten wir doch viel Spaß an der Arbeit mit den Tieren
gehabt. Trotzdem wollten wir nun mal wieder weiterziehen und zu neuen Abenteuern aufbrechen.
Zudem hatten wir uns bereits um weitere Arbeitseinsätze in Südtirol bemüht. Über Frau Thaler vom
Verein Freiwillige Arbeitseinsätze KDS erhielten
wir während des Einsatzes auf dem Bichl-Hof mehrere Vorschläge für die Zeit ab dem 22. Dezember. Aus diesen hatten
wir 3 Höfe ausgesucht und dem Verein mitgeteilt, dass wir gerne zwei Einsätze von je zwei Wochen mit einer kurzen Pause
dazwischen übernehmen würden. Am Ende blieb nur ein Einsatz auf dem Ramitzl-Hof übrig. Somit mussten wir also auch
weiterziehen und wollten die freie Zeit noch für Sightseeing in Österreich nutzen.
Am Abend nach getaner Arbeit übergaben wir unsere Arbeitskleidung an Regina zum Waschen, da diese bei der Arbeit im Stall
arg gelitten hatte. Neben Staub und normalem Dreck klebten Kuhscheiße, Geburtsschmodder und Kälbersabber an den
Sachen. Aber man kann die Sachen ja waschen.
Am Samstag hieß es schließlich endgültig Abschied nehmen vom Hof, der Familie und den Tieren. In der Früh
schliefen wir erst einmal aus - naja, eigentlich weckte uns der Wecker dann doch gefühlt viel zu früh, dass wir es
rechtzeitig zum Duschen und zum Frühstück um 9 Uhr schafften. Zum Frühstück gab es noch mal leckere Eier,
selbstgebackenes Brot mit selbstgemachter Marmelade und tiroler Spezialitäten wie Speck und Käse. Jetzt hieß es
fertig packen und noch ein letztes Mal bei den Tieren vorbei schauen. Hier im Stall kamen uns gleich die Katzen entgegen und
forderten ihre Streicheleinheiten ein. Auch die Milchkühe muhten schon nach uns, und weiter zogen wir zu den Kälbchen.
Erstaunt stellten wir fest, wie schnell Löckchen doch schon groß geworden ist und mittlerweile größer als
Bambi war. Auch bei Lissy dem Pony, den Zwerghühnern, den Legehühnern und den weiteren Kälbchen schauten wir
erneut in die Ställe und streichelten, sofern möglich, die Tiere zum Abschied.
Nun war der Zeitpunkt gekommen, uns auch von der Familie zu verabschieden. Alle kamen zusammen, um uns auf Wiedersehn zu sagen.
Dabei kam unweigerlich die Frage auf, wann wir mal wiederkommen würden. Zum jetzigen Zeitpunkt konnten wir die Frage nicht
beantworten, aber wer weiß? Und dann wurden wir überrascht. Von unserer Gastfamilie erhielten wir ein Päckchen
mit selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen und ein paar regionaler Leckereien. Wow, wir waren sprachlos und
überwältigt. Damit hatten wir nicht gerechnet.
Voller Emotionen stiegen wir in unseren Genuss-Bus und verließen den Bichl-Hof.
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