Vom Ramitzl-Hof nach Genua

Nach einem ganzen Monat Bauernhofleben zwischen Stallduft, Kühen und Familienleben hatten wir wehmütig Abschied genommen. Uns rief das Abenteuer und die Neugierde auf neue Orte und spannende Erfahrungen.
Wohin uns der Weg jetzt führen würde? Eigentlich hatten wir keine genaue Vorstellung. Richtung Süden fürs Erste. Da liegen einige recht interessante Ort wie z.B. Trento, Verona, Mailand oder Genua. Wir ließen uns einfach treiben.

Ramitzl-Hof bis Verona

Nach einem tränenreichen Abschied mussten wir zunächst wieder den Berg hinunter, schon bei trockenen Straßenverhältnissen mit einem rund 3 Tonnen schweren und gut 30 Jahre alten VW Bus nicht jedermanns Sache. Zumal wir uns gerne als „Flachlandtiroler“ bezeichnen. Schneematsch und einige vereiste Abschnitte machen es da nicht gerade einfacher. Vorsichtig, im ersten Gang und ganz gemütlich, ließen wir uns die schmale Straße hinabrollen. Hoffentlich kommt uns nicht plötzlich in einer Kurve etwas entgegen.
Am Talgrund angekommen entschieden wir uns für einen Abstecher nach St. Ulrich. Wer die Nachrichten verfolgt hat weiß, dass 2026 die olympischen Winterspiele in Mailand und Cortino ausgetragen wurden. Daher wurde das olympische Feuer auch durch St. Ulrich getragen. Dieses Ereignis hatten wir leider nicht live erleben können. Allerdings waren hierfür extra Eisskulpturen in der Stadt aufgebaut worden. Neben einer Skulptur von den olypischen Ringen gab es auch eine zum Fackellauf sowie eine etwas überdimensionierte Eisbank mit Ringen als Rückenteil.
Unser Ziel war erneut Bolzano bzw. der Campingplatz in Terlan - nicht aus touristischen Gründen, sondern wegen eines verschwundenen Pakets. Mehrere Bestellungen sollten an den Ramitzl-Hof geliefert werden, am Ende wurden daraus fünf einzelne Pakete aus ganz Europa. Vier davon tauchten schließlich auf: drei problemlos, eines an der falschen Adresse, aber immerhin auffindbar. Nur Paket Nummer fünf fehlte. Ein regionaler Zusteller behauptete, uns an drei aufeinanderfolgenden Tagen nicht angetroffen zu haben. Auf einem Hof, der das ganze Jahr über besetzt ist? Trotz lärmendem Häcksler, wachsamem Hofhund und der Möglichkeit, das Paket einfach abzustellen oder im nahen Supermarkt oder Gasthaus abzugeben, geschah: nichts.
Also beschlossen wir, dem Paket entgegenzufahren. Laut Sendungsverfolgung wartete es im Zustellzentrum in Bolzano. Doch dazu später mehr.

Als wir den Campplatz erreichten, war der Besitzer Georg sichtlich erfreut, uns wiederzusehen. Anders als um Silvester herum konnten wir uns dieses Mal den Stellplatz frei wählen, da außer uns nur zwei weitere Camper anwesend waren. Wir buchten uns gleich für zwei Nächte ein, da das Zustellzentrum in Bolzano am Wochenende natürlich nicht geöffnet hat.
Den Sonntag nutzten wir dann für etwas Büroarbeit. Der Artikel zum Ramitzl-Hof musste ja schließlich fertiggestellt werden. Text und Bilder hatten wir schon, jetzt fehlten nur noch ein paar Videos. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit man ins Schneiden von Videos stecken kann.
Abends ließen wir uns frisches Brot mit Käse vom Ramitzl-Hof schmecken, dann ging es frühzeitig in den Schlafsack. Jetzt wo abends keine Stallarbeit mehr anstand und am Morgen auch keine Kühe auf frisches Heu warteten, wollten wir mal wieder so richtig ausschlafen.
Mit Beginn der neuen Woche ging es direkt zum Zustellzentrum in Bolzano. Dort erklärte man uns zunächst, man müsse es erst suchen - wir sollten am nächsten Tag wiederkommen. Okay, Contenance bewahren! Zum Glück hatten wir ohnehin vor, den Dom von Bolzano zu besichtigen. Jetzt blieb uns auch noch Zeit für einen kleinen Stadtbummel und Büroarbeit.
Zurück auf dem Campingplatz schmunzelte Georg nur und überraschte uns mit einer Flasche Rotwein aus seinem eigenen Weingut. Die wird für einen besonderen Anlass aufgehoben.

Trento

Am folgenden Tag hieß es erneut: morgen. Jetzt war es mit unserer Contenance doch vorbei. Erst nach freundlichem, aber bestimmtem Nachhaken machte sich jemand auf die Suche und brachte uns fünf Minuten später endlich das letzte Paket. Erleichterung pur.

Moral der Geschichte: Manche Pakete sind scheu. Man muss sie persönlich abholen.

Der Weiterreise in Richtung Süden stand jetzt nichts mehr im Wege. So kehrten wir Bolzano den Rücken und fuhren neuen Entdeckungen entgegen.
Gegen Mittag erreichten wir Trento, die Hauptstadt der Region Trentino-Südtirol. Von dem zum Glück nachlassenden Regen ließen wir uns nicht abschrecken und schlenderten durch die sehenswerte Altstadt. Wir merkten schnell, dass wir endgültig in Italien angekommen sind. Die italienischen und römischen Einflüsse waren unübersehbar und die Cafés hatten überwiegend Außensitzplätze, was angesichts nasskalter Temperaturen um 0°C nicht besonders einladend wirkte. Unsere Vorfreude auf Italien wuchs dadurch aber zusätzlich, denn was hatten wir von Italien bislang gesehen?
Vor allem die Piazza del Duomo mit seinem Ensemble aus Tridentinisches Diözesanmuseum und der Kathedrale von Trient ist gesäumt von Cafés und Restaurants. Etwas abseits vom Hauptplatz ließen wir uns in der Bar Al Porteghet nieder und genossen ein paar kleine Leckereien.
So gestärkt steuerten wir gleich um die Ecke das Castello del Buonconsiglio an. Die ehemalige Bischofsresidenz beherbergt heute ein kunsthistorischens Museum, welches wir aber nicht besuchten. Stattdessen wollten wir lieber einen Aussichtpunkt auf dem Doss Trento erklimmen. Dort oben trohnt neben einem Museum zur Geschichte der italienischen Gebirgstruppen ein eindrucksvolles Monument: das Mausoleum von Ceasare Battisti. Der Aufstieg ist fordernd aber lohnenswert.
Doch wie wir uns das gewünscht haben, musste der Aufstieg zunächst noch warten, da wir spontan etwas entdeckt hatten: Le Gallerie. Le Gallerie ist untergebracht in den beiden Röhren eines ehemaligen Straßentunnels und beherbergt wechselnde Ausstellungen. Überraschenderweise ist der Eintritt kostenlos. Aktuell gab es in der „Bianco-Röhre“ eine Ausstellung zu den olympischen Spielen mit vielen emotionalen Momenten und wissenswertes zur Geschichte und dem Gedanken hinter den Spielen. Da kamen bei Andrea wegen der Sportgeschichte Erinnerungen an ihre Ausbildung hoch. Außerdem laden ein paar interaktive Stationen zum spielerischen Wettkampf ein. Wir versuchten uns an Darts und Vier Gewinnt mit Softbällen und übten den richtigen Skischwung. Puh, können Darts und Vier Gewinnt anstrengend sein 😅. Nach so viel positiven Emotionen wechselten wir in die „Nero-Röhre“: Hier drehte es sich dann leider um die Schattenseite des Lebens. Zunächst gab es eine Bilderausstellung zu den Kriegen und Krisengebieten der letzten 20 Jahre. Dann folgten Zeitzeugen aus Italien des 2. Weltkriegs, bevor alte Fotografien der Dolomiten die Ausstellung abrundeten.
Was ein bewegender, Kräfte zehrender und wunderschöner Tag in Italien. Hoffentlich folgen noch ganz viele mehr.

Verona

Jetzt verließen wir Südtirol und fuhren weiter nach Verona. Wir überlegten kurz, ob wir die touristischere Route entlang des Gardasees wählen sollten, verwarfen dies aber angesichts des Wetters. Was hätten wir bei dem Grau in Grau mit Regen am Gardasee gewollt? So fuhren wir die direkte Route und kamen durch niedliche kleine Ortschaften, die bereits den mediteranen Flair Italiens wiederspiegelten.
Zudem führt die Strecke größtenteils entlang der Etsch und ist landschaftlich sehr reizvoll. Zwischen den Ortschaften Ceraino und Gaium wird es dann besonders interessant. Hier zwängen sich die Etsch und die Straße zwischen hohen Felsklippen hindurch. Wäre das Wetter besser gewesen, hätte sich ein Stopp gelohnt. So blieb uns nur der Anblick der imposanten, steilen Felswände links und rechts.
Wenig später hatten wir Verona erreicht. Da es leider immer wieder regnete, suchten wir direkt den von uns herausgesuchten Stellplatz auf. Einige junge Leute betreiben am Stadtrand ein Bio-Ackerland und bieten dort Stellplätze für Camper und Zelte an. Der Platz wirkt sehr alternativ, war aber gerade deshalb für uns eine tolle Option. In der Hauptsaison wird es hier sicher tolle Begegnungen mit anderen Reisenden geben, da es eine Außenküche, mehrere Grillplätze mit Tischen und eine Feuerstelle gibt.
Wir nutzten stattdessen die Ruhe und das schlechte Wetter für etwas Büroarbeit und machten einen Plan für den nächsten Tag.
Da es in Verona, wie in den meisten Großstädten, wenig Parkplätze gibt, schon gar nicht für einen größeren Transporter, entschieden wir uns, den Bus zu nehmen. Etwa 10 Gehminuten vom Campplatz entfernt gibt es eine Bushaltestelle und die Busse 70 und 71 sollten uns mitten ins Zentrum zur Arena bringen. Bequem und kostengünstig erreichten wir so die historische Altstadt und konnten direkt in das Gewirr aus Gassen und Straßen eintauchen.
Unser erster Weg war natürlich zur Arena, der Sehenswürdigkeit schlechthin in Verona. Leider konnten wir aber nur von Weitem einen Blick auf das imposante Bauwerk werfen, da gerade umfangreiche Bauarbeiten stattfanden. Vermutlich sollte die Arena für die kommende Saison vorbereitet werden. Aber Verona hat selbstverständlich noch einige andere Sehenswürdigkeiten zu bieten, sodass uns nicht langweilig wurde.
So ging es zunächst durch einige Gassen, um die Arena zu umrunden und die Piazza Bra zu erreichen. Von hier bietet sich wohl der beste Blick auf die Arena. Dann ging es kreuz und quer durch die Altstadt hinüber zur Piazza Erbe mit dem Torre dei Lamberti und der benachbarten Piazza dei Signori. Von der Piazza Erbe schlenderten wir die Via Cappello hinunter zu einem der Highlights hier. In einem kleinen Innenhof befindet sich der berühmte Balkon von Shakespeares „Romeo und Julia“. Obwohl, eigentlich nicht. Das Stück ist reine Fiktion und den Balkon gab es nicht wirklich. Allerdings verkörpert der Hof mit Balkon die Geschichte des berühmtesten Liebespaares am besten und ist deshalb heute ein Touristenmagnet. Gegen einen Eintrittspreis darf man dann auch mal die Julia spielen und auf dem Balkon stehen. Oder man greift der Messingstatue von Julia im Innenhof kostenfrei an die Brust, das soll wohl Glück bringen. Aber nicht der Statue, diese ist inzwischen derart abgegriffen, dass sie wohl erneuert werden muss.
Nur ein paar hundert Meter weiter die Straße runter kann man dann einen Blick in die römische Vergangenheit von Verona werfen. Unter der gesamten Stadt in etwa 2 bis 3 Metern Tiefe finden sich überall derartige Überreste aus römischer Zeit. Da uns inzwischen vom Pflastertreten die Füße schmerzten, machten wir eine kurze Pause in einem winzigen Café, bevor wir unsere Erkundungstour im nördlichen Teil der Altstadt fortsetzten. An der Basilica di Sant' Anastasia vorbei ging es zum Dom von Verona und weiter über die Ponte Pietra, eine alte römische Bogenbrücke, auf die andere Seite der Etsch. Von dort warfen wir einen letzten Blick zurück auf die Altstadt, dann war es an der Zeit zum Campplatz zurückzukehren.

Verona bis Bergamo

Brescia

Weiter ging unser Weg durch ein Land voller UNESCO Welterbestätten nach Brescia. Unser Navi wusste offenbar, was wir gerne sehen wollen, denn von den vielen Wegen die nach Brescia führen, leitete es uns mitten durch das Örtchen Lonato del Garda. Hoch oben über der Stadt trohnt eine Festung und lockte uns spontan an. Ein Parkplatz war zum Glück schnell gefunden und ein paar Treppenstufen später standen wir vor der Festungsmauer. Leider hat die Festung im Winter nur am Wochenende geöffnet, sodass wir sie nur umrunden konnten, dennoch war es eine nette Abwechslung. Und wenn wir schon mal da waren, konnten wir auch gleich noch einen Spaziergang ins Zentrum unternehmen und der Basilica di San Giovanni Battista einen Besuch abstatten.
Zur Stärkung wollten wir in der Bar Pollonio nur einen Kaffee trinken und wurden von der Besitzerin Galina mit ganz viel Herzlichkeit begrüßt. Sie half uns Caffè marocchino korrekt auszusprechen und zeigte uns, was Cannella ist. Dann wurden wir gedrückt und gebusselt, fast als würden wir zur Familie gehören. Und dabei spricht Galina kein Wort Englisch oder Deutsch.
Derart emotional aufgeladen setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten am Nachmittag den Parkplatz unterhalb des Castello di Brescia. Die mittelalterliche Burg kann, abgesehen von einem Museum, kostenfrei besichtigt werden und bietet einen schönen Blick auf Brescia.
Da es für einen Besuch der Stadt schon etwas spät war, fuhren wir kurzerhand den Stellplatz an. Aber gibt es hier wirklich einen Campingplatz? Alles sah verlassen und dunkel aus. Und wo hätten wir hier auch stehen sollen? Wir schauten uns etwas um und wurden plötzlich von einem älteren Herrn angesprochen. Wenig später war klar, wir sind hier richtig. An einem kleinen Teich gelegen konnten wir als einzige Gäste unseren Genuss-Bus abstellen und an den Strom anschließen. Neben ein paar lärmenden Gänsen hatten wir gleich noch Anschluss zu zwei sehr anhänglichen Eseln und lieben Hunden. Und das Beste: Es sollte uns nichts kosten. Wenn wir schon bei der Übernachtung sparten, dann konnten wir wenigstens in der angeschlossenen Pizzeria Lido Essen gehen.
Bei wundervollem Sonnenwetter, das einen Vorgeschmack auf den Frühling mitbrachte, ging es nach Brescia hinein, um die UNESCO Welterbestadt zu erkunden. Vom Parkplatz beim Castello ging es über einige schmale Gassen und Treppen mitten in die Altstadt hinein. Kaum dort angekommen, standen wir staunend vor den Ruinen des Capitoliums, Überreste eines römischen Tempels aus dem Jahr 73 n. Chr. Die teilweise schneeweißen Steine zusammen mit dem blauen Himmel gaben ein super Fotomotiv ab. Wenige Schritte weiter konnten wir durch die Innenhöfe eines ehemaligen Benediktinerklosters schlendern. An den Kreuzgängen waren noch verblichene Fresken erkennbar.
Auf unserem weiteren Weg kamen wir an einer strahlend weißen Fassade vorbei. Dahinter verbirgt sich die Kirche Santa Maria della Carità. Direkt beim Betreten der kleinen Kirche wurden wir von einer Dame angesprochen und erhielten eine Erläuterung zum üppig und interessant ausgestatteten Innenraum in Deutsch.
Bevor wir uns den üblichen Touristenspots widmeten, schlenderten wir lieber noch die belebte Corso Goffredo Mameli mit unzähligen Geschäften und Cafés entlang. Angesichts der wärmenden Sonnenstrahlen ließen wir uns in einer Bar auf einem kleinen malerischen Platz nieder und taten es den Italienern gleich. Neben Latte macchiato und Espresso genossen wir einen Aperol. Aber ohne touristische Highlights konnten wir Brescia natürlich nicht verlassen. So ging es durch den Palazzo della Loggia auf die überaus fotogene gleichnamige Piazza. Leider versperrten Marktstände den Blick auf die schönen historischen Fassaden am Platz. Daher zogen wir durch das Torre dell'Orologio direkt weiter zur Piazza Duomo. Dort locken Orte wie der Palazzo del Broletto, die Kathedrale Santa Maria Assunta und vor allem der Duomo Vecchio.
Inzwischen waren unsere Köpfe voll mit neuen unvergesslichen Eindrücken, sodass wir zurück zum Schlafplatz fuhren, um alles verarbeiten zu können. In der Ruhe an dem kleinen See schrieben wir wieder einige Zeilen für diesen Beitrag nieder und ließen uns von der Gastfreundlichkeit der Italiener einfangen.

Bergamo

Der Morgen begrüßte uns mit dichtem Nebel, so fiel uns die Entscheidung leichter weiterzuziehen nach Bergamo auf der Suche nach Sonnenschein. Doch zuvor mussten wir uns noch von den Tieren - Gänse, Hunde und Esel - verabschieden. Dann ging es gefühlt im Schneckentempo und Sichtweiten unter 50 m durch die Nebelsuppe unserem nächsten Ziel entgegen. Erst kurz vor Bergamo lichtete sich endlich der Nebel und wir konnten auf einen schönen Tag hoffen.
Allerdings empfing uns Bergamo erst einmal mit einer für uns ärgerlichen Überraschung. Wie in vielen Großstädten sind Parkplätze Mangelware und für unsere Felía die Parkhäuser zu niedrig. Nicht so in Bergamo, da gibt es ein Parkhaus mit einer Durchfahrtshöhe von 2,80 m. Man muss es nur erreichen können. Ausgerechnet bei unserer Ankunft fand aber ein Halbmarathon in der Innenstadt statt und sämtliche Zufahrtsstraßen waren gesperrt. Nachdem wir einige vergebliche Runden gedreht hatten, um doch noch das Parkhaus zu erreichen, stellten wir unseren Genuss-Bus spontan auf einen freien Parkplatz am Straßenrand ab, in der Hoffnung, dass es nicht aufgebrochen wird. Dies scheint in Italien gerade bei Campern häufiger zu passieren, wie wir in Kommentaren zu Parkplätzen wiederholt gelesen haben.
Nach einem längeren Spaziergang entlang der Laufstrecke erreichten wir die belebte Innenstadt. Allerdings war auch hier das Herumschlendern wegen des Laufs wenig entspannend, auch wenn es einige schöne Ecken gibt. Zudem ist die Innenstadt zwar sehenswert, aber das eigentliche touristische Zentrum ist die auf dem Berg gelegene Altstadt. Diese wollten wir uns zunächst erst am folgenden Tag ansehen. Da aber in der Innenstadt gefühlt alles blockiert war, schlenderten wir doch noch hinaus und stiegen die steilen Gassen hinauf. Da heute Sonntag war und wohl auch wegen des Laufes mehr Touristen unterwegs waren, reihten wir uns in den Strom ein und ließen uns durch die altehrwürdigen Straßenzüge treiben. Dabei legten wir keinen besonderen Wert darauf alles anzusehen, da wir uns dies für den folgenden Tag aufheben wollten.
Am späteren Nachmittag ging es dann hinaus zu unserem Schlafplatz, den wir schon im Vorfeld organisiert hatten. Bei der Ankunft am Reiterhof wurden wir direkt von einigen großen Hunden begrüßt. Am Ende waren es gleich sechs davon (eine Dogge, ein Bobtail, zwei Border Collie-Mischlinge und zwei Weimaraner). Und alle forderten ihre Streicheleinheiten ein. Zudem konnten wir den gesamten Pferdehof erkunden und Pferde kuscheln.

Wenn man in Bergamo ist, dann muss man selbstverständlich Città Alta besichtigen. Der mittelalterliche Stadtteil ist von venezianischen Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert umgeben und durch die Festung Rocca di Bergamo geprägt. Ein touristischer Magnet ist wohl neben der Piazza Vecchia die Piazza Duomo. Die Piazza Duomo ist vom Palazzo della Ragione und den drei Kirchengebäuden Cappella Colleoni, Basilica di Santa Maria Maggiore und Duomo di Sant'Alessandro Martire umgeben.
Außerdem schlenderten wir durch die alte Citadelle und warfen einen Blick in den Hof des Seminario Vescovile Giovanni XXIII. Und ein Spaziergang entlang der Stadtmauer mit Blick auf Bergamo darf natürlich auch nicht fehlen.
Da wir damit die sehenswertesten Ecken besucht hatten und es uns auf der Suche nach frühlingshafteren Temperaturen weiterzog, entschieden wir spontan, keine weitere Nacht in Bergamo zu verbringen. Zwar mussten wir so auf das Kuschelkomitee am Reiterhof verzichten, aber Mailand lockte mit neuen Eindrücken.
Wie immer hatten wir uns bereits zwei Alternativen als Schlafplätze über die App Park4Night herausgesucht und fuhren den ersten vielversprechenden Spot an. Vor Ort fanden wir aber ein verschlossenes Tor und heruntergelassene Rollläden vor. Augenscheinlich gab es den Spot nicht mehr. Sehr schade. Also weiter zum zweiten. Das bedeutete zwar, auf die andere Seite von Mailand zu fahren, was satte 50 km waren, dafür konnten wir uns dort an einem See einen Platz aussuchen und in einer kleinen Bar den restlichen Tag Büroarbeit erledigen.

Bergamo bis Genua

Milano

Angesichts des regnerischen Wetters entschieden wir uns für einen „Seetag“ - nur ohne Meer. Stattdessen: Bürotag einlegen in der kleinen Bar am Campingplatz. Zwischen Espressotassen und italienischem Temperament hatten wir endlich Zeit, den Bericht zu schreiben, Bilder zu übertragen und zu sortieren - und ganz nebenbei einen Plan für Mailand zu schmieden. Außerdem taten wir etwas, das auf Reisen oft zu kurz kommt: nichts. Also fast nichts.
Am nächsten Morgen holte uns der Wecker mal wieder aus den Federn. Obwohl wir direkt am Stadtrand von Mailand nächtigten, sollte die Fahrt in die Innenstadt rund eine Stunde dauern. Immerhin kamen endlich unsere Fahrräder zum Einsatz - 1,5 km bis zur Bushaltestelle sind damit einfach angenehmer als zu Fuß, besonders am frühen Morgen.
Dann standen wir erneut vor einer echten italienischen Herausforderung: Fahrkartenkauf. Weder an der Haltestelle noch im Bus gibt es Automaten. Nur ein digitales Lesegerät, das sogar Deutsch spricht - was uns kurz Hoffnung machte. EC-Karte dranhalten, Ticket wählen, fertig. Theoretisch. Praktisch konnten wir nicht auswählen, dass wir zu zweit sind. Zweimal dranhalten ging auch nicht. Und wann wird eigentlich abgebucht? Man weiß es nicht. Aber wir haben bezahlt. Ganz bestimmt. Bei der Metro ist es einfacher. Ticket am Automaten kaufen, Schranke passieren, los geht's. Am Ende erreichten wir unseren Startpunkt für den Spaziergang durch Mailand, die Piazza Sempione.
Hier steht der Arco della Pace, welcher angesichts der Olympischen Winterspiele 2026 zusätzlich das Olympische Feuer trug - Mailand kann eben auch ganz große Bühne. Von dort ging es direkt hinein in den Parco Sempione zum Torre Branca, einem Aussichtsturm mitten in der Parkanlage. Weiter über die Piazza del Cannone, wo ein Public Viewing für die Olympischen Winterspiele 2026 eingerichtet war, zum wuchtigen Castello Sforzesco mit seinen imposanten Mauern. Spätestens hier fühlt man sich ein kleines bisschen in eine andere Zeit versetzt. Vorbei an der Fontana di Piazza Castello schlenderten wir in die Via Dante - Mailands elegante Einkaufsmeile.
Ein kleiner Abstecher führte uns zur von außen eher unscheinbaren Chiesa di San Maurizio al Monastero Maggiore. Und dann: Wow. Innen ein Farbenrausch aus Fresken, der uns sprachlos machte. Manchmal sind es eben genau diese kleine Überraschungen, die eine Stadt besonders machen.
Weiter ging es zur Piazza Affari. Direkt vor der Mailänder Börse steht die berühmte Statue „L.O.V.E.“ - auf den ersten Blick ein ausgestreckter Mittelfinger. Bei näherem Hinsehen erkennt man: Die anderen Finger fehlen. Ein Kunstwerk mit klarer Botschaft - Libertà, Odio, Vendetta, Eternità also: Freiheit, Hass, Rache, Ewigkeit. Mailand kann also nicht nur Mode, sondern auch Provokation.
Über die Piazza Cordusio erreichten wir schließlich die Piazza del Duomo. Der Mailänder Dom - markant, monumental, fast schon ein bisschen kitschig mit seinen unzähligen Spitzen. Hier wendeten wir uns zunächst nach rechts, um einen Blick in den Palazzo Reale di Milano, den neoklassischen Herzogspalast, zu werfen. Und schon ging es weiter zur San Bernardino alle Ossa, für viele wohl besser bekannt unter Beinhaus in Mailand. Die Wandbilder bestehen dort aus menschlichen Knochen und Schädeln - nichts für Zartbesaitete aber definitiv eindrucksvoll.
Zurück am Domplatz schlenderten wir durch die Galleria Vittorio Emanuele II - Glasdach, Mosaikboden, Luxus pur - weiter zur Piazza della Scala mit dem berühmten Teatro alla Scala. Dann erreichten wir das elegante Viertel Brera und steuerten den Botanischen Garten an, bevor wir unseren Spaziergang an der Pinacoteca di Brera beendeten.

Wer noch Lust und Muße hat, kann sich zudem die Casa degli Atellani und die Basilica di Santa Maria delle Grazie, mit Leonardos „Letztem Abendmahl“ ansehen und einen Abstecher in Stadtviertel Navigli unternehmen. Ebenfalls eine Besichtigung wert sind die Colonne di San Lorenzo, die Villa Necchi Campiglio oder der Giardini Indro Montanelli. Aber auch dem Cimitero Monumentale kann man gerne einen Besuch abstatten.

Pavia

Nach so viel Pflastertreten in Mailand zogen wir am Valentinstag weiter und erfuhren unterwegs, dass vor dem Dom in Mailand anlässlich des Tages der Liebe eine Installation mit zahlreichen Herzen aufgebaut worden war. Nun ja. Man kann nicht alles haben. Zumal das Wetter ohnehin eher auf „grau in grau“ stand.
Unser nächstes Ziel: Genua. Doch über drei Stunden Fahrt? Das klang nach einem Zwischenstopp. Bilder von Alessandria überzeugten uns nicht so recht. Dann stießen wir auf Pavia - ein Foto von einer charmanten Steinbrücke und dem Dom reichte, um uns neugierig zu machen. Es lag direkt auf unserer Route. Entscheidung gefallen.
Als wir die Ortschaft erreichten, hatte der Regen zum Glück etwas nachgelassen. Bewaffnet mit Schirmen ging es Richtung Altstadt. Schon am Eingang zur Altstadt wartete das Castello Visconteo - eine Überraschung, mit der wir nicht gerechnet hatten. Für 1 € pro Person betraten wir den von Arkaden gesäumten Innenhof. Ein fairer Preis, fanden wir. Besonders charmant: Die vielen kleinen Nischen der Mauern sind von Halsbandsittichen bewohnt. Ein bisschen Exotik mitten in der Lombardei.
Nach dieser erfreulichen Unterbrechung ging es weiter durch die Stadt. Am Marktplatz - Piazza della Vittoria - liegt der Duomo di Santo Stefano e Santa Maria Assunta. Bereits von außen beeindruckte uns der Dom - doch im Inneren verschlug es uns kurz die Sprache. Die gewaltige Kuppel wirkt klar und zurückhaltend, während der Altar umso prachtvoller gestaltet ist. Wir waren begeistert von der Kirche.
Vom Dom aus ist es dann nicht mehr weit bis zur Ponte Coperto. Die Steinbogenbrücke ist zwar „nur“ ein Nachbau von 1951, doch nach Plänen der zerstörten Brücke aus dem 14. Jahrhundert errichtet und mit herrlichem Blick über den Ticino. Von der ursprünglichen Brücke sind noch heute die beiden Brückenköpfe sowie bei Niedrigwasser Teile eines Pfeilers zu sehen.
Unser Fazit: Pavia ist angenehm untouristisch, entspannt und definitiv einen Zwischenstopp wert.

Genova

Und dann hatten wir es erreicht. Nachdem wir uns mit der Felía einige Serpentinen hinaufgearbeitet hatten, konnten wir einen ersten Blick aufs Mittelmeer werfen. Es fühlte sich irgendwie nach „Ankommen“ an - die Anfahrt zu unserem Schlafplatz allerdings eher nach Nervenkitzel. Steil, schmal, enge Kehren - und das Navi: erbarmungslos. Frank bewies einmal mehr fahrerisches Geschick, und Felía brachte uns souverän nach oben. Oben angekommen erfuhren wir: Es gibt eine entspanntere Route. Nun ja. Macht zumindest Mut für die Weiterfahrt.
Da unser Stellplatz wegen Fasching voll war, parkten wir kurzerhand am Stadtplatz. Nach einem sonnigen Brunch auf der Parkbank ging es mit dem Linienbus ins Zentrum von Genua.
Für unseren ersten Tag hier hatten wir uns nichts besonderes vorgenommen. Wir ließen uns daher einfach treiben und schlenderten zunächst zur Piazza della Vittoria mit dem gleichnamigen Arco. Dann wendeten wir unsere Schritte in Richtung Hafen und kamen dabei durch die Via XX Settembre mit schattigen Arkadengänge und Mosaikböden die von so manchem Luxusgeschäft gesäumt ist.
Die Einkaufsmeile mündet schließlich auf die Piazza De Ferrari mit einem großen Brunnen aus den 1930er Jahren. Gleich dahinter liegt das Viertel Molo - die Altstadt Genuas. Es grenzt an den alten Hafen und war über viele Jahrhunderte der Sitz der politischen und religiösen Macht der Stadt. Heute ist es ein Gewirr aus schmalen Gassen, breiteren Hauptwegen und charmanten Plätzen. Neben dem Palazzo Ducale direkt am Zugang zur Altstadt und der sehenswerten Cattedrale di San Lorenzo gibt es dort mehrere kleine Kirchen, Geschäfte und Cafés zu entdecken.
Wir durchquerten das Viertel und erreichten dann den alten Hafen - Porto Antico - die Flaniermeile schlechthin in Genua. Auch wir schlenderten an den kleine Booten vorbei zum alten Hafengebäude, das heute durch Restaurants, Museen und ein Kongresszentrum genutzt wird. Als wir das Ende des Gebäudes erreichten und um die Ecke bogen, erhob sich vor uns plötzlich ein gewaltiges Gebäude. Ach nein, kein Gebäude! Im Hafen lag die riesige MSC World Europa, eines der größten Schiffe der MSC-Group, gemessen an der Passagierzahl von über 6.700. Aber was ist schon ein Kreuzfahrtschiff gegen die dekadenten Privatyachten gleich nebenan?
Zum Abschluss des Tages wollten wir noch einen Blick von oben auf Stadt und Hafen werfen und stiegen daher zum Stadtviertel Casteletto, dem wohlhabenen Wohnviertel an den Hügeln von Genua, hinauf.

Da auch Genua zu den UNESCO Welterbestätten zählt, wollten auch wir wenigstens einige der insgesamt 42 Palazzi ansehen und nutzten dafür einen zweiten Tag hier an der Mittelmeerküste. Bereits an der Via S. Luca und Via Lomellini stehen einige schöne Palazzi. Aber gerade an der Via Balbi, dem Uni-Viertel, findet man ein altes Palazzo neben dem anderen.
Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten gibt es aber auch ungewöhnliche Aktivitäten. Eines davon ist ein besonderer Aufzug. Der Ascensore Montegalletto fährt zunächst horizontal in den Berg hinein und um eine Kurve, dann plötzlich geht es senkrecht hinauf, wie ein klassischer Aufzug, zur Bergstation. Hier stiegen wir direkt vor dem Castello d'Albertis aus. Leider war dieses gerade geschlossen. Somit entschieden wir uns zu einem gemütlichen Spaziergang durch das Viertel Casteletto hinüber zum Aussichtspunkt am Belvedere Castelletto. Hier hätten wir den Jugendstil-Aufzug nutzen können, um wieder zum Hafen hinunterzugelangen. Wir entschieden uns jedoch für einen der Fußwege, die aus unzähligen Treppenstufen bestehen, und gelangten so wieder ins Viertel Molo.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit einem Bummel durch die Gassen von Molo und flanierten durch Porto Altro, bevor es am nächsten Tag weitergehen sollte, die Westküste Italiens hinab.

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